Rückblick Live-Talk

Die präventive Wirkung guter Betreuung im Alter

Warum lohnen sich Investitionen in gute Betreuung im Alter? Was braucht es, damit Betreuung ihre präventive Wirkung entfalten kann? Und was bedeutet das präventive Potenzial der Betreuung für die Alterspolitik? Prof. Dr. Martin Hafen, Prof. Dr. Carlo Knöpfel, Nationalrätin Sarah Wyss und Silvia Kölliker, Leiterin Fachstelle Alter Uster, diskutierten diese Fragen im Live-Talk am 26. November 2025.

«Die Politik unterstützt Betreuung, weil sie eine präventive Wirkung vermutet. Die heute diskutierte Publikation zeigt auf, wie vielfältig diese Wirkung ist – und dass es sich deswegen lohnt, in Betreuung zu investieren», eröffnet Carlo Knöpfel den Live-Talk im Gespräch mit Sonja Hasler. Martin Hafen untermauert die Aussage mit der Frage: «Wenn wir nicht in die Betreuung investieren und Probleme wie Vereinsamung umso grösser werden, wer bezahlt das denn letztendlich?»

Martin Hafen erläutert seine Argumentationskette aus der Publikation zur präventiven Wirkung. «Das Altern bringt viele Veränderungen, Übergänge und neue Situationen mit sich. Wer dabei eine starke Resilienz mitbringt, profitiert massiv.» Aber was hat Betreuung mit Resilienz zu tun? «Betreuung hilft zum Beispiel einen sinnerfüllten Alltag zu haben, soziale Beziehungen aufrechtzuerhalten und neue Beziehungen knüpfen zu können.» Damit wirke sie dem Abbau von Kompetenzen und der Vereinsamung entgegen und stärke so die Resilienz. Weiter spare sie Gesundheitskosten und entlaste Angehörige. «In der Begleitung von Kindern und Jugendlichen ist man sich schon lange bewusst, wie wichtig eine gute psychische Resilienz ist. Es ist höchste Zeit, dass wir dies auch in der Unterstützung älterer Menschen erkennen und berücksichtigen.»

«Damit wirkt Betreuung dem Abbau von Kompetenzen und der Vereinsamung entgegen, spart Gesundheitskosten und entlastet Angehörige.»

Der Kanton Zürich finanziert seit diesem Jahr zusätzlich Betreuungskosten für ältere Menschen mit Ergänzungsleistungen. Silvia Kölliker sieht als Leiterin der Fachstelle Alter in Uster bereits eindrückliche Resultate dieser Zusatzfinanzierung: Hobbys können begleitet weiterhin ausgeführt werden, Freunde zu besuchen wird wieder möglich, die Woche erhält Struktur und Menschen haben wieder mehr soziale Kontakte. Gemeinsames Staubsaugen ist eben viel mehr als ein sauberer Boden. Der Jassabend ist mehr als ein Spiel. «Die Publikation liefert gute Argumente, um gegenüber der Politik unsere Arbeit zu legitimieren», sagt Silvia Kölliker.

Nationalrätin Sarah Wyss sieht die Änderung des Ergänzungsleistungsgesetzes als einen wichtigen Pflock. «Es ist gelungen, einen wichtigen Schritt zu machen und den Katalog zu den zu finanzierenden Leistungen offen zu formulieren. Da besteht jetzt Spielraum. Nun müssen die Kantone und Gemeinden in die Hosen steigen.» Sarah Wyss ist überzeugt, dass es nun weiter gehen muss: Die Betreuung soll für alle – nicht nur für EL-Beziehende – finanziert werden. Zudem sollten politisch die psychosozialen Aspekte und die Prävention stärker berücksichtigt werden, anstatt fast nur die körperliche Komponente im Blick zu haben.

Für Carlo Knöpfel ist eine Haltungsänderung zentral: «Die Politik will, dass die Leute später ins Heim gehen, dass weniger Gesundheitskosten anfallen. Wenn sie diese präventive Wirkung wirklich erreichen will, dann muss die Politik alles dafür tun, dass ältere Menschen auch wirklich Betreuungsleistungen beziehen und erhalten. Das heisst: aktiv auf ältere Menschen zugehen, auf Augenhöhe abklären, bis hin zum Leistungsbezug begleiten. Anstatt insgeheim zu hoffen, dass möglichst niemand eine Finanzierung beantragt.»

Die Publikation zur präventiven Wirkung guter Betreuung im Alter können Sie gratis herunterladen und via info@gutaltern.ch gedruckte Exemplare bestellen.