Leitfaden Betreuung in Altersinstitutionen

Der Tagesablauf mit den Bewohnenden ist in erster Linie ein Unterwegssein, Entdecken, Begegnen

In der Stiftung für Betagte in Münsingen sind Betreuung und Pflege als gleichwertige Unterstützungsformen in der Organisation verankert. Auch auf der Demenzwohngruppe ist die Sozialpädagogin Denise Dubach Teil des Teams Betreuung & Pflege. Ein Blick ins Wirken und die Wirkung psychosozial ausgerichteter Betreuung.

«Schon beim Morgenessen steige ich mit den Bewohnenden in den Tag ein. Das kann sein, dass mir jemand hilft, den Tisch zu decken. Ich mache den ganzen Tag Sachen, die sowieso anstehen. Entscheidend ist, dass ich es mit den älteren Menschen zusammen mache: den Esswagen in die Küche bringen, einen Brief abgeben, die Wäsche holen. So haben sie eine Aufgabe und spüren, dass sie wichtig sind.

Bei der Tagesgestaltung stehen die individuellen Bedürfnisse im Zentrum

Ich mache jeweils einen Plan und überlege, was ich den Bewohnenden bieten könnte. Aber es gehört dazu, ihn immer wieder über Bord zu werfen. Der Tagesablauf mit den Bewohnenden ist in erster Linie ein Unterwegssein, Entdecken, Begegnen.

Auf diese Weise merke ich früh, wenn bei jemandem Veränderungen auftreten. Ich habe die Freiheit, auf individuelle Bedürfnisse zu reagieren und kann, wenn nötig, zum Beispiel mit jemandem einen Spaziergang machen.

Dass ich den ganzen Tag auf der Station präsent bin, gibt den Bewohnenden mit Demenz Orientierung und Sicherheit. Es schafft einen Gegenpol zu ihrer inneren Unsicherheit. Pflegemitarbeitende haben diese Möglichkeit oft nicht, denn sie sind für konkrete Pflegehandlungen im Zimmer und danach wieder weg. Durch diesen Kontaktunterbruch kann eine Desorientierung entstehen.

Was gute Betreuung bewirken kann

Zur Wirkung der psychosozialen Betreuung haben wir zumindest eine These: Die hohe Präsenz von mir als Sozialpädagogin führt dazu, dass wir früher auf psychogeriatrische respektive psychosoziale Themen reagieren können. Ich kann die Bewohnenden daran heranführen, selbst mit ihren Emotionen umzugehen – bevor etwas eskaliert. Eine Konsequenz kann sein, dass wir weniger Reservemedikamente verabreichen müssen.

Fachpersonen mit sozialberuflichem Hintergrund – Sozialpädagogik, Soziale Arbeit, FaBe usw.– bringen eine zusätzliche Sicht ein. So erhalten wir einen ganzheitlicheren Blick auf die Bewohnendensituation. Vereinfacht gesagt: Die Pflege versteht biologische und damit körperliche, medizinische Aspekte. Wir ergänzen mit dem Verständnis für biografische Hintergründe und sozialem Wohlbefinden. Wenn sich die beiden Sichtweisen ergänzen, führt das zu einem ganzheitlicheren Wohlbefinden – und das ist ja letztendlich, was wir alle wollen.»

Stiftung für Betagte, Münsingen

Quelle: Dieses Beispiel ist im Rahmen des «Leitfadens gute Betreuung in Altersinstitutionen» entstanden. Geschäftsleitungen, Führungspersonen und Fachpersonen sowie Entscheidungsträger:innen in Altersinstitutionen finden in diesem Leitfaden Grundlagen und Argumente, Instrumente, Methoden und inspirierende Praxisbeispiele wie psychosoziale Betreuung institutionalisiert und konkret umgesetzt werden kann.