Leitfaden Betreuung in Altersinstitutionen
Betreuung bei allen Mitarbeitenden verankern
«Betreuung und ethische Fragen werden bei uns im ‹Schönbühl – Kompetenzzentrum für Lebensqualität› enorm hoch gewichtet. Unser Verständnis davon ist verkürzt gesagt: Alle Mitarbeitenden – egal aus welchem Bereich – sind Alltags- und Lebensbegleiterinnen und -begleiter. Die Bewohnenden sollen einen möglichst normalisierten Alltag mit grösstmöglicher Selbstbestimmung und Teilhabe erleben.»
Marcus Pohl, Leiter Betreuung & Pflege und Mitglied der Geschäftsleitung des Schönbühl – Kompetenzzentrum für Lebensqualität, Schaffhausen: «Essenziell ist für uns die Grundhaltung. Sie ist auf allen Ebenen schriftlich festgehalten – vom Leitbild übers Betreuungskonzept bis zu den Stellenplänen. Für die Verankerung im Alltag haben wir verschiedene Rollen, Gefässe und Abläufe definiert:
- Während des dreimonatigen Einarbeitungsprozesses schult die Leiterin Betreuung die neuen Mitarbeitenden zu unserem Leit- und Menschenbild.
- Interne Schulungen mit bestehenden Mitarbeitenden aller Bereiche zu Aspekten aus diesem Leit- und Menschenbild gewichten wir sehr hoch. Wir haben viele Termine pro Jahr. Sie können von zwei Stunden bis zu einem Tag dauern. 2026 werden zum Beispiel über 30 Mitarbeitende an Schulungen zur Biografiearbeit teilnehmen – und zwar auch aus technischem Dienst, Hauswirtschaft, Administration und Gastronomie.
- Im täglichen Rapport stehen Fragen zum psychischen Wohlbefinden im Zentrum. Was beschäftigt die Bewohnenden heute?
- In den monatlichen Teamsitzungen sind Fragen der Betreuung das erste Traktandum.
- In jedem Team gibt es die Rolle ‹Thementrägerin Betreuung›, die meisten sind Mitarbeitende mit Pflegehintergrund. Sie sorgen dafür, dass unsere Grundhaltung im Alltag gelebt wird.
- In der Themengruppe Betreuung tauschen sich diese Fachbeauftragten einmal monatlich mit der Leiterin Betreuung aus.
- Das Ethik-Kaffee findet drei- bis viermal jährlich statt. Dieser Austausch mit der Leiterin Betreuung zu Fragen aus den Teams steht allen Mitarbeitenden offen. Hier haben wir zum Beispiel einmal das Thema Täuschung und Lüge diskutiert: Darf der dementen Frau gesagt werden, dass ihre Mutter bald zurückkommt, obwohl diese tot ist? Darf ein Medikament in den Joghurt geschmuggelt werden?
- Im Ethik-Forum werden anhand der Fragen aus den Teams Handlungsleitlinien fürs ganze Haus entwickelt. Bei diesem interdisziplinären Austausch sind neben der Geschäftsleitung und der Leiterin Betreuung auch externe Fachpersonen dabei – ein Arzt, eine Seelsorgerin usw.»
Quelle: Dieses Beispiel ist im Rahmen des «Leitfadens gute Betreuung in Altersinstitutionen» entstanden. Geschäftsleitungen, Führungspersonen und Fachpersonen sowie Entscheidungsträger:innen in Altersinstitutionen finden in diesem Leitfaden Grundlagen und Argumente, Instrumente, Methoden und inspirierende Praxisbeispiele wie psychosoziale Betreuung institutionalisiert und konkret umgesetzt werden kann.