Politik

Betreuende Angehörige: Tragende Säule mit ungewisser Zukunft

Ein Bericht des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan) im Juni-Bulletin zeigt: Heute kann jede sechste Person ab 65 Jahren wöchentlich auf die Unterstützung von Angehörigen zählen. Bis 2040 dürfte dieses private Betreuungsnetzwerk jedoch aus demografischen Gründen merklich schrumpfen, während der Betreuungsbedarf gleichzeitig deutlich zunimmt. Dem ohnehin bereits stark belasteten Sozial- und Gesundheitssystem droht ein Mangel an informeller Betreuung, was neue Entlastungs- und Unterstützungsnetzwerke dringend erforderlich macht.

03.09.2026

Der Bericht analysiert das Ausmass informeller Betreuung älterer Menschen (65+) durch Angehörige in der Schweiz. Da es keine einheitliche Erhebung dazu gibt, basiert die Schätzung auf verschiedenen nationalen Erhebungen mit unterschiedlicher Methodik, die Zahlen sind deshalb als Annäherung zu verstehen.

Zentrale Eckwerte

Art der Betreuungsleistungen

Entwicklungsprognose

Konkret heisst das: Es droht eine wachsende Lücke zwischen Betreuungsbedarf und verfügbaren betreuenden Angehörigen. Diese Lücke muss durch professionelle Angebote (Spitex, Heime) oder professionell unterstützte informelle Netzwerke (Nachbarschaft, Freiwillige, Vereine) aufgefangen werden – mit unsicherem Ausgang, da solche Netzwerke tendenziell weniger intensiv und verbindlich unterstützen als nahe Angehörige. Der Bericht fordert, dass Kantone diese Entwicklung bei ihren Strategien zur Altersbetreuung zwingend berücksichtigen, insbesondere im Hinblick auf die Förderung des Verbleibs zuhause.

Im Kontext der Betreuungspauschale im ELG

Der Bericht liefert damit ein starkes Argument für eine aktive Kommunikation und niederschwellige Ausgestaltung der neuen Betreuungspauschale – sie könnte einen Teil der wegfallenden informellen Unterstützung durch professionelle, finanzierte Angebote kompensieren helfen, gerade für ältere Menschen ohne (ausreichend) betreuende Angehörige.

Quelle

Dutoit, L. & Pellegrini, S. (2026). Betreuende Angehörige: Bestandesaufnahme und Perspektiven für die Unterstützung älterer Menschen (Bulletin 03/26). Neuchâtel: Schweizerisches Gesundheitsobservatorium.

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